
So übten sie Stimme und Bauchatmung, bevor sie dazu über gingen, als Pfauen z.B. eitel und kokett zu schreiten, als inbrünstige Machos ihre "Girls" aufzureißen, laut schreiend und wild gestikulierend den Raum zu teilen. Es galt natürlich noch den Abend zu gestalten. Und die Gruppe überlegte sich gemeinsam ein Rollenspiel, in dem der Geschlechterkampf in den schillerndsten Farben, möglichst plakativ in Szene gesetzt werden sollte.

"Wir können uns ja erlauben, Indien und Deutschland, Inder und Deutsche zu karikieren. Schließlich sind wir ja Indo-Deutsche!!! ", dachten sie...
... und dachte auch ich ganz selbstverständlich.
Die Kritik unserer Darbietung gegenüber, die ein "echter Inder" prompt äußerte, stieß bei mir erst auf Unverständnis: Er muß doch sehen und wissen, daß ich Inderin bin, dazugehöre, lächerlich machen darf! Und überhaupt: Kritik aus den "eigenen Reihen" wirkt doch belebend und konstruktiv...
Aber nach und nach dämmerte mir das, was man weiß, aber nicht verinnerlicht hat, nicht wirklich realisiert hat: Daß braune Haut, mit den Fingern essen und den indischen Akzent perfekt imitieren zu können, aus mir nicht automatisch die Inderin macht, die in den "eigenen Reihen" steht.