Dr. Urmila Goel, Wissenschaftlerin und Trainerin
Die Gesellschaft ist von unterschiedlichen Machtverhältnissen geprägt, die miteinander verwoben sind und so ein komplexes Gefüge von Macht und Ohnmacht produzieren. Wichtige Differenzlinien sind dabei jene, die auf der Konstruktion von Geschlecht, Sexualität, Kultur, Ethnie, ‚Rasse’, Klasse, Schicht oder Befähigung beruhen. Durch die Komplexität der verwobenen Machtverhältnisse werden insbesondere privilegierte Positionen verdeckt. Die Aufmerksamkeit wird stattdessen auf die Situation der relativ Machtlosen gelenkt. Es wird in der Regel diskutiert welche Probleme sie haben und was sie machen können, um diese zu beseitigen. Die Verantwortung jener in den hegemonialen Positionen wird selten thematisiert und damit wird ihre Position reproduziert und stabilisiert.
Die Interessen der verschiedenen marginalisierten Gruppen werden dabei häufig gegeneinander ausgespielt. Eine Argumentation in einfachen Dichotomien wird genutzt, um das komplexe System der Machtungleichheiten nicht prinzipiell in Frage zu stellen. So wird, zum Beispiel, im aktuellen dominanten öffentlichen Diskurs nicht die komplexe Verwobenheit von Heteronormativität und Rassismus analysiert, sondern mit einem Verweis auf die (angeblich) fehlende Gleichberechtigung von Frauen im Islam die Ausgrenzung von Muslimen (und von Muslimas) legitimiert.
Im Mainstream angekommene Ansätze wie Gender Mainstreaming, interkulturelle Trainings und Diversity Management gehen häufig von naturgegebenen Unterschieden sozialer Kategorien wie Geschlecht, Sexualität, Kultur, Ethnie, Befähigung, etc. aus. Sie behandeln die einzelnen Differenzlinien einzeln oder additiv und gehen kaum auf ihre Interdependenzen ein. Zudem werden ungleiche Machtverhältnisse und insbesondere Privilegien wenig thematisiert.
Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund muss es Teilnehmenden von Diversity Trainings ermöglicht werden, die Komplexität verwobener Machtverhältnisse zu sehen und diese auf ihr eigenes Leben und ihr Umfeld zu beziehen. Sie müssen zudem befähigt werden, öffentliche Diskurse und Trainingsangebote kritisch zu hinterfragen und fundiert Kritik an machtunsensiblen Ansätzen zu formulieren, um so gegen Marginalisierungen aktiv werden zu können.
Die angebotenen Trainings basieren auf der Erkenntnis, dass die verschiedenen
Machtverhältnisse miteinander verwoben sind und damit einfache Dichotomien
zwischen Mächtigen und Machtlosen sowie eindeutige Rangordnungen von
Marginalisierungen nicht möglich sind. Trotzdem gibt es Machtunterschiede und
ungleiche Verteilung von Privilegien in der Gesellschaft. Diese Komplexität soll
in den Trainings erfahrbar und Privilegien sichtbar gemacht werden, um so einen
Umgang mit der Komplexität und Ambivalenz zu erlernen und eine Basis für
Gegenstrategien zu entwickeln.
Theoretische Grundlage hierfür sind neben der Kritischen Rassismus- und
Weißseinsforschung vorallem die Gender und Queer Studies sowie Diskussionen zur
Interdependenz verschiedener Machtverhältnisse. Dabei wird insbesondere auf
kritische Interventionen wie Umut Erel et al., „Intersektionalität oder
Simultaneität?!“ in:
Jutta Hartmann et al. (2007, Hrsg.), Heteronormativität (Wiesbaden: VS Verlag,
239-250) und von Jaya Sharma und Dipika Nath, „Through the Prism of
Intersectionality“ in:
Geetanjali
Misra und Radhika Chandiramani (2005, Hrsg.), Sexuality, Gender and Rights
(Delhi: Sage, 82-97) eingegangen und der Ansatz der independenten Kategorie
von
Katharina Walgenbach et al. (2007, Hrsg.), Gender als interdependente Kategorie
(Opladen: Barbara Budrich) weitergedacht.
Die Trainings grenzen sich explizit von den dominanten Ansätzen zu Diversity Management mit ihrem festschreibenden, gesellschaftliche Strukturen vernachlässigenden und additiven auf ökonomische Verwertbarkeit ausgerichteten Verständnis ab. Sie bauen damit unter anderem auf der kritischen Analyse von Gabriele Dina Rosenstreich, „The Mathematics of Diversity Training“, in: Anne Broden und Paul Mecheril (2007, Hrsg.), Re-Präsentationen (Düsseldorf: ida, 131-160 - als pdf bei IDA-NRW) auf.
Ziel der Trainings ist es, dass die Teilnehmenden in Interaktion mit anderen ihre eigene (ambivalente) Positionierung in verschiedenen Machtverhältnissen erleben und lernen sie kritisch zu reflektieren. Die Trainings sollen Überzeugungen irritieren, Fragen provozieren, Kategorien in Frage stellen, Privilegien sichtbar machen und Komplexität erfahrbar machen.
Die Rolle der Trainerin hierbei ist es, einen sicheren Rahmen für das Erfahren, Interagieren und Irritieren zu schaffen. Die Trainerin macht Angebote zum Erleben, stellt Fragen und regt zum Hinterfragen an. Sie ermöglicht es der Gruppe, sich gemeinsam dem Thema zu stellen und es zu diskutieren. Dabei hat die Trainerin besondere Verantwortung gegenüber denjenigen Teilnehmenden, die in ihrem Alltag regelmäßig Ausgrenzungserfahrungen machen. Die mögliche (und nicht unwahrscheinlich) Reproduktion dieser Ausgrenzungen im Training muss thematisiert werden. Jene, die durch sie verletzt werden, müssen geschützt und gestärkt werden. Jenen, die die Ausgrenzungen reproduziert haben, muss ihre Verantwortung für die Reproduktion erkennbar gemacht werden und ihnen alternative Handlungsweisen eröffnet werden.
Dabei werden verschiedene Methoden der politischen Bildungsarbeit genutzt. Es gibt einen Wechsel zwischen Gruppen-, Kleingruppen- und Einzelarbeit sowie zwischen eher erfahrens- und kognitiv orientierten Ansätzen. Dabei werden unter anderem Methoden aus den Ansätzen von Anti-Bias, Betzavta und Eine Welt der Vielfalt adaptiert. Wenn möglich wird mit Co-TrainerInnen zusammen gearbeitet.
Die Trainings richten sich an junge Erwachsene und Erwachsene anderer Altersstufen. Auf Basis meiner eigenen beruflichen Erfahrungen biete ich spezialisierte Trainings für:
Für weitere Fragen und Anfragen erreichen Sie mich per Email an info (at) urmila.de.